Donnerstag, 11. Juli 2013

Ist sie nicht sinnlos, diese Erinnerung? So ein alltäglicher Moment, so etwas Banales! Was trägt er schon zu meinem Weiterkommen bei? Diese absurde Welt, die sich da in Farbklecksen zerstreut - ich habe sie nicht erfunden. Was für ein Anblick.

Da sind diese Linien, die uns begleiten und die dazu da sind, uns einen Weg zu markieren. Sie sagen uns: "Hier findest du dieses und jenes. Da hinten geht es nicht weiter. Dort musst du hin, um nach Hause zu gelangen." Es ist so eine sanfte Sprache. Und was für sonderbare Proportionen! Man muss das einmal ganz auf sich wirken lassen. Ja, das ist es: Diese Dinge sind normalerweise völlig unsichtbar.


(2013)





Gerade die Schilder werden kaum noch gelesen. Prinzipiell machte es keinen Unterschied, wenn einer all diese Farben heute noch ausradieren würde. Es ist doch dies ein Ort, an dem etwas passiert; keiner will hier wirklich bleiben. Sind Blau, Grün und Rot da nicht reine Energieverschwendung? Ist nicht sogar das Grau noch zu kräftig?

Was für ein Gefühl, wenn die immergleichen Bilder in meinem Kopf zusammenrutschen - gut tausend Tage haben da Platz in einem einzigen Foto. Ihre Ähnlichkeit verklumpt sie zu einem hellen, weiten Sommer und einem langen, dunklen Winter. Und da stecken sie nun und wissen nicht weiter.

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Isn't it meaningless, this memory? Such an everyday moment, such banality! What kind of contribution does it make to my advancement? This absurd world, dispersing there in blots of color - I have not invented it. What a sight.

There are these lines that guide as and that have the function to mark us a way. They say: "Here you find this and that. There is a dead end back there. You have to go there to find your way home." It is such a gentle language. And what curious proportions! You really have to let it sink in. Yes, that's it: Normally these things are completely invisible.

Especially the signs are read by no one anymore. In principle it would make no difference if somebody would erase all the colors right now. This is a place where something happens; nobody really wants to stay here. Aren't blue, green and red simply a waste of energy? Isn't even this grey too bright?

What a feeling when all these ever same images rush together in my head - a thousand days find room in a single photograph. Their similarity lets them clump together and they become a bright, wide summer and a long, dark winter. And that is where they got stuck and don't know what to do.

Freitag, 5. Juli 2013

Am Anfang steht immer das Bewusstsein, dass da mehr ist, als man kennt. Es gibt da stets den Blickwinkel, den man noch nicht eingenommen hat, der aber alles Vorangegangene entscheidend verändern kann. Ich könnte mir keinen größeren Antrieb vorstellen, weiter zu suchen. Es ist nicht unbedingt ein Gefühl von Unvollständigkeit, auch das Wort Neugier scheint mir kein passender Ausdruck zu sein für dies Vorwärts-streben-Wollen. Es ist vielleicht die eigenartige Gewissheit, dass das Andere doch die Heimat des Bekannten ist und dieses gleichzeitig nur über den Umweg des Fremden gelesen und verstanden werden kann.

Mir wäre der Gedanke unerträglich, niemals den Versuch unternommen zu haben, diesen Weg zu gehen. Ich würde nicht leben wollen, ohne diese anderen Welten kennengelernt zu haben, die neben meiner existieren. Damit meine ich keineswegs Produkte der Fantasie, nichts Metaphysisches oder unbedingt Göttliches. Nein, es ist alles hier. Und doch ist man oft zu sehr mit Blindheit geschlagen, um jene unsichtbaren Wände durchdringen zu können, die einen umgeben. Nicht mal Entfernung ist zwangsläufig der Grund dafür, es reicht völlig aus, nicht dieselbe Sprache zu gebrauchen. Und auch wenn die Worte identisch sind, heißt das nicht automatisch, dass die zutiefst zwischenmenschlichen Gräben überwunden sind.


(2011)

Meine Orientierung richtet sich nach dem Licht. Es lenkt alleine meine Aufmerksamkeit und im Laufe der Zeit habe ich gelernt, ihm Vertrauen zu schenken. An sich bringt es nichts mit außer sich selbst. Aber es ist in der Lage, alles zu bestimmen, zu beleben und zu bedeuten. Ein wenig versuche ich wohl, ihm nachzueifern, indem ich mich mein Verständnis möglichst nach seinen Gesetzmäßigkeiten gestalte.

Am wichtigsten ist dabei wohl, dass es selbst keine Unterschiede kennt. Dadurch wird es zum Maßstab, mit dem alles verglichen werden kann, der selbst aber nicht misst. Im Gegenteil: Wenn ich es benutze, um ein Bild herzustellen, habe ich anschließend lediglich die Chance, mich selbst darin wiederzuerkennen. Das ist Reflektieren im doppelten Sinne des Wortes. Da sehe ich dann also die weißen und silbernen Stellen, die mir gleich zu Beginn, noch vor der Aufnahme aufgefallen waren und ganz besonders gut kenne ich vielleicht diesen oder jenen Fleck, der mir ins Auge stach, als ich auf den Auslöser drückte.
Jetzt aber fallen mir nach und nach auch die dunkleren und dunkelsten Bereiche auf, die ich mitgenommen habe, ohne es zu wissen. Die Kamera hat sie alle zugleich entdeckt, weil sie nie auf etwas Bestimmtes achtet. Werde ich irgendwann Gelegenheit haben, die Stellen zu belichten, die sich noch im Schatten befinden? Es liegt wahrscheinlich an mir, das Detail wartet meist geduldig auf das Licht.

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In the beginning there is always this awareness that there is more than you know. There is always this angle of view from which you have not seen yet but which is going to change essentially anything you have seen before. I could not think of a greater urge to keep on searching. It is not necessarily a feeling of incompletion, the term curiosity also does not seem to be appropriate to express this urge of moving forward. Maybe it is the strange certainty that the other is always the home of the well-known but it can only be intelligible by making the detour of a stranger.

To me the thought of never having tried to go that way would be unbearable. I would not want to live without getting to know these other worlds existing next to my own. I do not think of fantasies, nothing metaphysical or implicitly devine. No, everything is here. But far too often one is too blind to break through these invisible walls that surround us. Distance does not have to be a reason - it is enough if you do not use the same language. And even if the words are identical it does not automatically mean that the distances between humans are overridden.

Light is my orientation. It alone guides my attention and with time passing I have learned to trust it. It comes with nothing but itself. But it has the ability to determine, to animate and to denote everything. Maybe I try to emulate it a little by shaping my understanding after its' nature.

The most important thing seems to be that it knows no differences. That is why it becomes a measure everything can be compared to but which itself is not measuring. Quite the contrary: if I use it to produce an image I only end up with the chance to find myself in it. This is the literal sense of reflecting. So I see these white and silver areas that had drawn my attention in the very beginning, even before the shot, and maybe I still recognize one or another spot which has caught my eye the very moment I pushed the release button.
But now I gradually notice those dark and darkest areas which I have taken with me without knowing. The camera has spotted them all at once because it has never a certain attention for anything. Will I ever have the chance to bring light to these dark areas that still lie in the shadows yet? I guess it is up to me because the details wait patiently for the light most of the time.

Dienstag, 2. Juli 2013

Seltsam, wenn man sich überlegt, dass das ganze Leben doch so etwas ist wie ein lange belichtetes Foto. Man ist vielleicht gewöhnt, es sich als einen Film vorzustellen, eine persönliche Aufzeichnung, die sich am Schluss irgendwie wiedergeben ließe oder auch nicht. Dabei wissen doch die meisten, dass ein Film aus unzähligen stillen Einzelbildern besteht. Aber ist der Mensch denn überhaupt fähig, den einzelnen, unendlich kleinen Moment zu denken? So klein, dass er kleiner wäre als die kürzeste Belichtungszeit? Wohl kaum.

Eine solche Vorstellung macht für uns keinen Sinn, weil sie keinen Raum bietet. Nicht für ein Gefühl, nicht für ein einziges Wort und erst recht nicht für eine komplette Geschichte. Wenn die Geschichte eines Lebens aber kein Film ist, was ist sie dann? Wenn sie einer Fotografie ähnlich ist, was bedeutet das?


(2011)

Das Foto zeichnet auf, solange es belichtet wird. Während der Dauer dieses Prozesses wird aus einer vollkommen dunklen Fläche eine helle oder umgekehrt, wenn man an das Negativ denkt. Alles, was hell ist, wird dunkel und alles, was dunkel ist, hell. Normalerweise ist dieser Vorgang von so kurzer Dauer, dass sein Ergebnis, das fotografische Bild, dem Betrachter als ein Augenblick erscheint, ein natürlich wirkender Einblick in einen Ausschnitt vergangener Zeit. Dabei gilt es von technischer Seite vieles zu beachten: Die Belichtungsdauer muss passen, die Kontraste stimmig und der Fokus richtig gesetzt sein.

Wenn die Belichtungsdauer so lange anhält, dass sich vor der Linse etwas bewegen kann, entsteht kein Film sondern eine Spur. Das können die Rücklichter vorbeirasender Autos sein oder ein stark beschleunigter Fußball. Aber wenn man nur lange genug belichtet, hinterlässt selbst eine Schnecke solche Lichtspuren. Kann man diesen Spuren nun nachsagen, sie hätten irgendeinen Sinn? Anders als die Filmbilder scheinen sie nicht zu sagen "erst dies und dann das" sondern immer nur "jetzt, jetzt und jetzt" und bis der Verschluss die Sache beendet, dauert es an, dieses Jetzt.

Mir scheint, dass dieses Bild dem Leben deutlich mehr entspricht, als ein Film. Da ist das Licht, das mir zur Verfügung steht und mit dem ich versuche, etwas Sinnvolles zu Papier zu bringen. Da ist die Unmöglichkeit, mich zu verstecken oder irgendetwas jemals zu löschen. Da ist schließlich die Aufgabe, den Fokus so zu setzen, dass ich die Chance habe, überhaupt etwas zu erkennen. Und dann ist da schließlich noch der Auslöser, den aber nicht ich betätige sondern wer auch immer... An diejenigen zu denken, die das Foto einmal betrachten, ist wiederum eine andere Sache.

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It is strange when you think that a whole life is more or less like a long exposed photograph. Maybe you are used to picture it as a movie, a personal record that could be played somehow in the end. And yet most of us know that a movie consists of a huge amount of still single frames. But is a human being even capable of imagining a single, infinitely short moment? So short that it would underrun the shortest time of exposure? That's hardly possible.

Such an imagination makes no sense to us because it delivers no space. Neither for an emotion nor for a single word and especially not for a complete story. But if the story of life is no movie, what is it? If it is similar to a photopgraph, what does that mean?

The photograph is observing as long as it is exposed to light. During this process a completely dark surface becomes bright or vice versa if you think of the negative. Everything that is bright becomes dark and everything that is dark becomes bright. This normally happens in such a short time that the photographic image as a result appears to the spectator to be one moment, like a natural cutaway of past time. But technically there is much more to observe: duration of exposure, constrasts and focus have to be attended to.

If the time of exposure is long enough for anything to move in front of the lens the outcome is no moving picture but a trace. It may be the back lights of cars rushing by or a very speeded up football. But if you expose long enough even a snail would produce such traces. Could you speak of them like if they had any meaning? Other than frames in a movie they do not seem to say "this comes first and this comes afterwards" but only "now, now and now" until the shutter is interrupting this sort of state of now.

It seems to me that this image is very much more like our life than a movie. There is light available for me and I try to create something meaningful with it. There is the impossibility to hide or to erase anything at any time. Finally there is the task to focus so that I have a chance of recognizing something. And there is the release button which is not pushed by me but by whomsoever... To think of those who will look at this photo one day, that is a completely different thing.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Eine entscheidende Frage lautet wohl: Wo exakt spielt sich mein Leben ab?
Was genau ich damit meine? Pascal entwirft die Idee des ins Leben geworfenen und unablässig nach Sinn suchenden Menschen folgendermaßen, wenn er sagt:
"Ich sehe diese furchtbaren Räume des Weltalls, die mich umschließen, und ich finde mich an einem Winkel dieser unermeßlichen Ausdehnung gebunden, ohne zu wissen, warum ich gerade an diesen Ort gestellt bin und nicht an einen anderen, noch warum mir die kleine Zeitspanne, die mir zum Leben gegeben ist, gerade an diesem und nicht an einem anderen Punkt der ganzen Ewigkeit zugeordnet ist: der Ewigkeit, die mir voraufgegangen ist, und jener, die mir folgt."
Blaise Pascal: Gedanken.
Ein solcher Mensch ist bedürftig nach Halt und er hofft, ihn in der Religion zu finden. Die Religion soll ihm letztlich als Anker dienen, der ihn seiner Aufgehobenheit versichert und ihm die Gewissheit verleiht, am richtigen weil vorherbestimmten Ort zu sein. Gleiches gelte dann auch für die ihm gegebene Zeit.

Gibt es einen Gott, dann fällt diesem die bedeutende Aufgabe zu, die Willkür auszuschalten, den Zufall zu eliminieren, denn der Gedanke, dass man selbst einfach so existieren könnte, erscheint dem Individuum unerträglich. Deshalb geht es einen Handel ein, bei dem es den Zufall und die Willkür gegen die Vorsehung und den (begründeten) Willen Gottes tauscht. Der Gewinn, der bei diesem Handel erzielt wird, ist nicht zu überschätzen: Er besteht in nichts geringerem als der Gewissheit, dass das eigene Leben einen Sinn hat.

Was aber tut der, dem es widerstrebt einen solchen Handel einzugehen? Muss er notwendigerweise auf den Trost göttlicher Geborgenheit verzichten? Möglicherweise ja.
Andererseits wird er sich aber vielleicht nach neuen Mechanismen umsehen, die sein Dasein befestigen, ihm ein Fundament verleihen können. Darüber hinaus wird er eventuell sogar den vermeintlichen Verlust als Gewinn begreifen, indem er den Mangel an Bestimmtheit in ein Mehr an Freiheit umdeutet. Und ist das nicht auch tatsächlich der Fall? Kann nicht gerade der, der sich nicht als geschaffen begreift, erst ermessen, was Schöpfung wirklich bedeutet, da er sich doch der Aufgabe gegenüber sieht, sich erst selbst zu definieren?

Wo exakt spielt sich mein Leben ab? Vor diesem Hintergrund gerät alles ins Schwimmen. Ist der Gedanke, bestimmt zu sein, erst einmal abgelegt, steht die Tür offen. Die ganze Kaskade des Hinterfragens setzt ein. Jetzt erst wird deutlich, wie relativ die eigene Vorstellung ist.
Und dann blicke ich zurück auf die Fotografie und sehe sie wie zum allerersten Mal. Was bedeutet es schon, dort gewesen zu sein? Was sagt mir, dass es so war? Mir bleibt das Gefühl, auf Formen und Schattierungen zu schauen, die mir nichts Eigentliches sagen. Aber das kümmert mich nicht. Ich spüre erst jetzt so recht, wie schön ich sie finde.


(2011)

One important question has to be: Where is my life taking place?
What I mean? Blaise Pascal is formulating the idea of man being thrown into life, searching ceaselessly for a meaning, when he says:
"I see these awful rooms of outer space which surround me and I find myself bound to a corner of these unmeasureable dimensions without knowing why I am put into this place and not into any other or why this little time span which is given to me is located on this point of eternity and not on any other: this eternity which has anteceded me and this which will follow me."
Blaise Pascal: Thoughts.
Such a man needs something to hold on to and he hopes to find it in religion. Religion shall be an anchor to him which gives him a feeling of security and assurance to be in the right place, simply because it is predestined. The time given to him should be then regarded as the same.

If there is a God then he has the important duty to eliminate arbitrariness and to eliminate hazard because the individual's thought that itself could just simply exist seems unbearable to it. That is why it is negotiating - it is interchanging hazard and arbitrariness with providence and God's (reasonable) will. The benefit of this deal should not be underestimated: it is the certainty that one's own life has a meaning.

But what is he who refuses to make such a deal doing? Does he have to abstain from the solace that comes with God's security? Maybe yes.
But perhaps he will seek for new mechanisms that sustain his living and that serve him as a grounding. Moreover he might identify the assumed loss as an advantage by understanding that a lack of determination means an excess of freedom. Isn't it the case? The one who is not seeing himself as being created, can't he alone comprehend the true meaning of creation because he is confronted with the task to define himself?

Where exactly is my life taking place? Against this background everything becomes insecure. If the thought of being defined is once abandoned the door is open. A whole cascade of questions is crushing down. Now it becomes clear how relative my own imagination is. Then I look back on photography and I see it like for the very first time. What does having been there mean to me? What tells me that is has been this way? I am left with the feeling to look on forms and shadows which mean nothing to me. But I don't care. It's now that I really feel how beautiful they are to me.

Montag, 17. Juni 2013

Photographie

War ich nicht unter ihnen, in der Nische dieses Tages,
der sein Licht in schön gemessenen Schritten über uns verlor?
Wie geblendet, von Sinnen,
Eidechsen gleich auf gerade eroberten Steinen ruhten wir uns aus.

Wer könnte das erfassen, wer hätte die Worte
das zu sagen?
Wer weiß noch, wohin er sich sammeln soll?

Auf der Bühne jener kleinen Momente ist unser Augenblick getrocknet –
da! Nur eine Spur von einem Sonnenschein, der uns nicht mehr angehört.

Und wie ich es so versuche, schauend und lebend zur selben Zeit,
fühlend, dass meine Fehler diesen Rahmen übersteigen,
erreicht es auch mich: Einmal bin ich allen verloren.


(2011)

Sonntag, 7. April 2013

Kann denn dieses Bild irgendeine Form von Antwort sein? Vielleicht in der Art, dass es etwas wieder-gibt, was sonst verloren wäre? Aber was habe ich denn davon, dass ich es behalte? Wohl vor allem, dass ich mich daran halten kann. So gesehen ist es weniger eine Antwort als vielmehr ein Trost, eine Geste des Haben-dürfens, die mich beruhigt, indem sie mir etwas an die Hand gibt, mich daran zu klammern. Es hebt mich auf im Raum der Erinnerung und des Empfindens, also faktisch und emotional. Das Tatsächliche bildet sich in mir ab, die Welt ist mir Gefühl geworden. Es ist die innere Re-Präsentation äußerlicher Wirklichkeit.

Darin liegt das Besondere, denke ich, dass eben etwas zurückkommt, heimkehrt, könnte man sagen. Die Begegnung hat stattgefunden, einmalig, unwiederholbar. Aber andererseits tröstet mich die Vorstellung jener scheinbaren oder möglichen Welt objektiver Vergangenheit, aus der etwas kommen kann. Da bin ich, sind wir, ist es gewesen. Ich kann darüber verfügen, aber es ist nicht der Besitz, der mich reizt. Es ist die Gewissheit!


(2012)

Das, was nicht verblasst, hält man gemeinhin für das Beste, weil Gegebene oder das Wahre, weil Bewährte. Aber ich sehe doch mit der Zeit, dass ich selbst diese Auswahl getroffen habe. So bin ich wohl auch in gewisser Hinsicht für meine Bilderwelten verantwortlich. Zumindest mitverantwortlich. "Der Beobachter greift ein", lehrt uns die Quantenmechanik und das erscheint mir verständlich. Der Beobachter ist schließlich stets eingebunden, verwoben mit dem Gegenstand seines Schauens. Ganz unphysikalisch lebt mein Bild in mir und mit mir.

Die Frage an mein Bild heißt mich in Frage zu stellen, heißt über mich nachzudenken und führt mich so - wie sollte es auch anders sein - zurück zum Bild. Da erkenne ich diese kindliche, kaum zu benennende Angst, aus der Welt zu fallen, irgendwie, diese unwissende, ahnende Furcht vor dem Tod, der nicht kommt, aber möglich ist. Und da begreife ich den Sinn der Tröstung: Sie schenkt Bindung und Raum.

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Can this picture be a sort of answer? Maybe in a way that it is re-producing something which would be lost otherwise? But what use has it for me to keep it? Probably that I can use it to hold on to it. So it is more a thing of solace than an answer, a gesture of being-allowed-to-have which calms me by handing me something to grab. It keeps me in a place of memory and sentiment, so it has a factual and an emotional aspect. Reality pictures itself inside me, the world has become my sentiment. It is the inner re-presentation of outer reality.

This is something exeptional, I think, that something is coming back, you could say it's returning home. The encounter has taken place, singular, unrepeatable. But on the other hand I am taking comfort in the conception of an apparent or possible world of objective past from where something can come back. There I am, here we are, it has been. I have it available but it is not this possession that is exciting me. It is certainty!

One is used to mistake what is not fading away to be best just because it is given or true just because it is established. But I begin to realize that it is me who has made that selection. So I happen to be responsible for my world of images in a way. At least partly responsible. Quantum mechanics is telling us that "the observer is interfering" and this appears comprehensible to me. The observer is always involved, inweaved with the object of his sight. Very unphysically there is an image living inside me and with me.

Every question to my image means to question me, means thinking about me and is leading back to - whereever else - the image. Then I recognize this childish dread of falling out of the world which is so hard to name, this unknowing but guessing fear of death which is not coming but able to come. At that point I understand the meaning of this solace: it delivers binding and space.

Samstag, 19. Januar 2013

Was die Erinnerung anbelangt, so versuche ich wohl unablässig an den Punkt zu gelangen, in welchem keine Bewegung mehr möglich und nötig ist. Mit Bewegung meine ich das permanente Verwischen des Bezugs zu meinem Bild von etwas. Mein eigenes Bild kennt seinen Ort sowohl in der Zeit als auch der Welt und kann diesen ohne Aufgabe seiner Existenz nicht verlassen. Es scheint mir genauso wenig das reproduzierbare Produkt einer Industrie wie ich mich für einzigartig halte.

So hängt die Fotografie am gerade noch verträglichen Rest Materialität, der erforderlich ist, das Bild dauerhaft und transzendent zu machen. Es taucht auf Papier auf wie die Schriften und öffnet das Fenster wie die Ikone (den Gedanken Pavel Florenskijs folgend). Es ist zugleich Licht und Belichtetes.


(2011)



Insofern klammere ich mich an den Augenblick im fotografischen Bild als existenziellen Beleg meines Da-gewesen-seins. Diese Aufgabe erfüllt es besonders gut, da es geschenkt und gemacht zugleich ist - nie ist es reine Erfindung oder gänzlich vorgefertigt. In ihm kam ich mit der Welt zusammen. Es ist mir zur Wohnung geworden.

Dabei wird mir in etwa klar, was Barthes mit dem studium bezeichnet hat. Ist es nicht so, dass der Fremde immer nur an der Komposition, dem Licht- und Schattenspiel Gefallen finden kann? Dies ist das eine, andererseits mag ihm auch der Gedanke an den Zeitpunkt (und dabei meine ich in erster Linie nicht das bloße Feststellen von Vergangenem, sondern das existenzielle Moment der Vergänglichkeit) vertraut sein - doch keineswegs wird er in den Bildern das Zuhause finden, wie ich es in ihnen kenne.

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Thinking of memories I always try to reach that certain point where movement is impossible and not necessary. Movement to me means the permanent blur of my reference to my image. My own image knows it's place in time and space and is unable to leave it without giving up it's existence. It does not seem to me to be the repeatable product of an industry just like I do imagine myself as being unique.

So photography is clinging to the barely agreeable rest of materiality that is necessary to make the picture both stable and transcendent. It appears on paper like the scriptures and at the same time opens a window like an icon (according to the thoughts of Pavel Florensky). It is both light and exposed to light.

Insofar I leech on to this moment in the photographic image as an existential proof of my having-been-there. It is very good at performing that task because it is both made and received - it is never pure imagination nor completely precast. I met the world in it. It has become my habitation.

I assume to understand what Barthes meant when he spoke about studium. Isn't it that a stranger can only appreciate a composition, merely a play of light and shadow? This may be the case but on the other hand the thought of this point in time may also be familiar to him (I mean not only the simple diagnose that something is past but the existential moment of past) - yet it is impossible for him to find the same habitation in the images like I know it.